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Die Schornstein-Lehmwespe


Lebensraum
Die Lehmwespe aus der Unterfamilie der solitären Faltenwespen (Eumenide) ist ein typischer Vertreter des Lebensraums Lößwand. Bevorzugt nistet sie an sonnenexponierten Lößwänden, z.B. in wuchsoffenen Hohlwegen, Trockenmauern oder auch in Sandgruben. Sehr häufig brütet sie in Kolonien. An geschützten Stellen ist der charakteristische Vorbau zu ihren Brutzellen zu finden, dieser einem Wasserhahn ähnelt.
Kennzeichen
Die Lehmwespe ist schlank gebaut, sie erreicht eine Größe von 9-13 mm. Körper und auch der Kopf sind schwarz-gelb gezeichnet. Die Hinterleibsspangen tragen schmale gelbe Binden. Die Bezeichnung Faltenwespe leitet sich durch eine besondere Eigenschaft ab: In Ruhestellung legt (faltet) sie ihre Flügel doppellagig in Längsrichtung zusammen. Odynerus spinipes - so lautet der Name in der Fachsprache - ist bei uns der häufigste Vertreter dieser artenarmen Gattung. Sehr ähnlich "unserer" Wespe ist die nahe Verwandte Odynerus reniformis, diese die fast die gleichen Eingangsröhren baut, aber wesentlich seltener vorkommt. Nur dem Spezialisten ist es vorbehalten diese beiden Arten zu unterscheiden.
Nestbau und Verproviantierung
Mitte bis Ende Mai schlüpft die überwinterte Wespe aus ihrer Brutkammer in der Lößwand. Nach der alsbald erfolgten Paarung beginnt das Weibchen mit dem Nestbau. Hierzu bohrt es mit ihren Kieferzangen, bis zu 8 cm tiefe und am Ende verzweigte Gänge, die nach Fertigstellung in mehreren Brutkammern enden. Zumeist weicht sie mit einigen Tropfen Wasser (u.a. auch Flüssigkeit von Nestern der Schaumzikaden) den mitunter sehr harten Löß auf. Ein Teil des Aushubes findet Verwendung zum Bau der charakteristischen, jedoch sehr hinfälligen Eingangsröhren. Über Sinn und Zweck der Eingangsröhren ist bisher viel diskutiert worden, die eigentliche Funktion dieser Vorbauten ist zur Zeit noch unbekannt.
Nach Fertigstellung der Brutanlage hängt die Wespe mit einem seidenen Faden jeweils ein Ei an die Decke der Brutkammer. Als Larvenfutter werden nun von den Weibchen Rüsselkäferlarven der Gattung Phytonomus eingetragen, diese mit einem gezielten Stich ins Nervenzentrum paralysiert werden. Da es sich bei diesen Beutetieren vorwiegend um Luzerneschädlinge handelt kann die Lehmwespe, wenn auch in einem geringen Maße, als biologischer Schädlingsbekämpfer angesehen werden. Mitunter werden bis zu 25 Käferlarven pro Zelle als Nahrungsproviant für die eigene Brut eingetragen. Anschließend wird der Eingang abgetragen und die Öffnung verschlossen. Die aktive Nestbauzeit beträgt nur wenige Wochen. Im Laufe ihres kurzen Lebens, ist sie in der Lage mehrere Brutanlagen anzulegen.
Larvenentwicklung und Schlupf
Die Junglarve schlüpft alsbald aus dem an der Decke hängenden Ei und macht sich über den eingetragenen Proviant her, den sie vollständig aufzehrt. Nach einer kurzen Ruhephase spinnt sich die Larve in einem festen, feuchtigkeitabweisenden Kokon ein. Die Larve überwintert als sogenannte Ruhelarve. Erst im Mai des darauffolgenden Jahres beginnt die Verpuppung, alsbald schlüpft die Wespe aus ihrem Kokon. Unterstützt durch ihre Mundwerkzeuge (Mandibeln) gräbt sie sich nun einen Gang ins Freie. Nun schließt sich der Kreislauf. Paarung, Nestbau und sammeln von Käferlarven erfolgt aufs Neue.
Feinde
Die Lehmwespe hat eine Reihe von Feinden, die vorwiegend bei ihrer Brut schmarotzen. Am geläufigsten sind verschiedene Arten von Goldwespen (Chrysidien). Einige davon sind ausschließlich auf die Schornsteinwespe spezialisiert. Als weitere Brutschmarotzer sind Buntkäfer der Familie der Cleride (Bienenwolf) und Hummelschweber (Bombyliide) der Gattung Anthrax bekannt geworden.

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