Die Kapelle auf dem Michelsberg
(Michelsberger Häuschen)
1492 wird im Wormser Synodale von einer Kapelle außerhalb von Mettenheim berichtet, die dem Hl. Michael geweiht war. Beim Umgraben des Feldes wurden im vorigen Jh. in der Nähe der Kapelle Menschenknochen gefunden, die auf einen Friedhof schließen lassen.
Einer alten Ortssage nach soll eine Nonne die Stifterin eines Klosters auf dem Michelsberg und die Erbauerin dieser Kapelle gewesen sein, die sie aus Dankbarkeit für die Genesung von einer unheilbaren Krankheit errichten ließ.
Wann die Kapelle verschwunden ist, ist nicht überliefert. Vielleicht ist sie im 30-jährigen Krieg zerstört worden. Weitere Bauten folgten 1847, sowie ein Umbau 1888.
Das heutige Weinberghaus auf dem Michelsberg steht in exponierter Lage am südlichen Ortsende von Mettenheim auf einer kegelförmigen Weinbergnase. Der Name geht auf die Michaelskapelle zurück, die aus dem 15. Jh. überliefert ist. Es erhielt seine jetzige Form durch einen Umbau im Jahre 1888, bevor es 1910 in den Besitz von Ernst Muth kam. In seiner heutigen Gestalt ähnelt es dem tempelförmigen Weinberghaus auf dem Kirchberg bei Bensheim an der Bergstraße.
Der ältere Vorgängerbau von 1847 ist durch ein Ölgemälde von einem bisher unbekannten Maler namens Berkhout aus dem Jahre 1853 überliefert.(siehe unten)
Der Bauherr war Georg Renz aus Worms. Das Weinberghaus war als zweigeschossiger Pavillon errichtet. Der Unterbau aus Bruchstein hat einen Keller mit Backsteingewölbe. Das ehemalige Obergeschoss hatte zur Rheinseite einen Balkon und anstelle eines Daches einen sog. "Belvedere " als Aussichtsterrasse. Die gusseisernen Balkongeländer waren in Diagonalfelder aufgeteilt. Der rechteckige Turm hatte seitlich je eine, zum Rhein hin drei Achsen und rückseitig im Erdgeschoss zwei Fenster.
Von diesem Vorgängerbau sind der Keller und das Erdgeschoss mit den Rechteckfenstern und der zweiflügeligen spätbiedermeierlichen Eingangstür erhalten. Von dem Keller soll sich ein Gang weit in den Berg hineingezogen haben, in den sich die Dorfbewohner in Kriegszeiten flüchteten.
Das Weinberghaus wurde als Lusthaus für festliche Anlässe, als Sommerhaus für Gäste und zur Werbung für das Weingut am Michelsberg benutzt. Letzteres geht aus besagtem Gemälde hervor, das die Einweihung der Bahnstrecke Mainz-Speyer 1853 zeigt und im Hintergrund das beflaggte Haus auf dem Michelsberg.
1866 ging es in den Besitz des Wiesbadener Gutsbesitzers Georg Jakob Retzer über, und nach dessen Tod war es bis 1910 in Händen von dessen Witwe.
1888 wurde aus unbekannten Gründen das Obergeschoss abgetragen, eine Terrasse mit je einer hohen seitlichen Rundbogenöffnung, einer Dreierarkade mit Säulen und einem Oculus ( Auge, Öffnung )über der Mittelöffnung im Giebelfeld zum Rhein vorgebaut. Der Vorbau ist gleichfalls unterkellert. Die Wände des Innenraums ziert ein aufgemalter Girlandenfries.
Den Aufgang zur Terrasse bildet eine siebenstufige dreiseitige Treppe und eine vierstufige Vortreppe.
Am 14. 05. 04. erklärte die Kreisverwaltung Alzey-Worms als untere Denkmalschutzbehörde im Einvernehmen mit dem Landesamt für Denkmalpflege den Pavillon auf dem Michelsberg mit Weinberganlage, Einfriedung und Eckanwesen zur "Denkmalzone Michelsberg".
Der Schutzzweck besteht in der Erhaltung und Sicherung des für die Ortsgeschichte und den Weinbau von Mettenheim wichtigen Areals am Michelsberg. Die Weinbergsanlage mit Pavillon am Michelsberg hat einen hohen kulturellen Aussagewert für die Geschichte und den Weinbau des Ortes und der ganzen Region.
Das Haus auf dem Michelsberg ist das Wahrzeichen von Mettenheim und ein Kulturdenkmal, das zu erhalten und zu pflegen ein wichtiges Anliegen sein sollte.
Gemälde von Nicolaus Berkhout (15.2.1813 - 24.10.1892)
1853