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Der Ackerschachtelhalm ( Equisetum arvense Linne)

Der zu den farnartigen Gewächsen gehörende Ackerschachtelhalm ist entwicklungsgeschichtlich eine sehr alte Planze.
Er zählt zur Gruppe der blütenlosen Gefäßsporenpflanzen, von denen heutzutage nur noch eine Gattung: " Equisetum" existiert.
Sie wird als Reduktionsform der einstmals so reich und überaus vielfältig entwickelten Pflanzengruppe betrachtet. Verbreitet ist der Ackerschachtelhalm über ganz Europa, Asien, Nordamerika bis in die arktischen Gebiete. Der Name Schachtelhalm kommt daher, dass sich die Pflanzen an ihren scheidenartigen Blattquirlen auseinander ziehen lassen. Das hängt damit zusammen, dass an diesen Stellen Restmeristeme ( Bildungsgewebe) ausgebildet sind, die kaum Festigungselemente erhalten. Der Ackerschachtelhalm liebt grundwasserreiche, sonnige Standorte.


Im März / April treibt die Pflanze rotbraune, fruchtlose Frühlingssprossen und im Mai / Juni grüne, unfruchtbare Sommersprossen aus. Der Ackerschachtelhalm enthält Mengen an Kieselsäure, Flavonoide, Phenolsäure, Alkaloide und Sterine. Aus diesem Grund wurde die Pflanze schon in der Antike als Heilmittel benutzt. Nach dem Mittelalter wurde die Heilkraft der Pflanze vergessen und die getrockneten und stark verkieselten Sommertriebe nur bei der Politur von Zinn und Holz verwendet. Aus dieser Zeit stammt wohl auch der andere Name Zinnkraut, Scheuerkraut und Kannenkraut statt Ackerschachtelhalm. Erst durch Pfarrer Kneipp wurde die Pflanze wieder als Heilmittel entdeckt. Pfarrer Kneipp lobte insbesondere seine harntreibende Wirkung und verwandte ihn daher bei der Behandlung von Stoffwechselkrankheiten wie Rheuma und Gicht. Verwendet werden nur die grünen, unfruchtbaren Sommersprossen. Das Kraut kann innerlich und äußerlich angewendet werden. Aufgrund seiner reichhaltigen Inhaltsstoffe wird auch in unserer Zeit der Ackerschachtelhalm in der medizinischen Behandlung eingesetzt. Er findet Einsatz bei Frostbeulen, Unterschenkelgeschwüren ( desinfizierend), Beinödemen, zur Bindegewebsstärkung, bei Bandscheibenschäden, bei brüchigen Haaren und Nägeln usw.
Sogar in der Landwirtschaft werden die wässrigen Auszüge der Sommertriebe zur biologischen Schädlingsbekämpfung verwendet.

Gilt der Ackerschachtelhalm auch in der Landwirtschaft als eines der lästigsten Unkräuter so ist es doch wichtig, ihn wegen seiner Heilwirkung zu erhalten!

Schachtelhalme in unseren Mettenheimer Hohlwegen

Wer kennt sie nicht die lustigen, quirligen, zarten, hellgrünen Wedel an den meist feuchteren Stellen unserer Hohlwege, Feldrainen und auf Feldern und Wiesen. Den einen zur Freude weil der Schachtelhalm mit seinem Aussehen etwas Besonderes in der Pflanzenwelt darstellt. Er ist der übriggebliebene Rest einer Pflanzenart, die schon vor mehr als 350 Millionen Jahren zusammen mit Farnen und Bärlappgewächsen artenreiche Bestandsbildner in den Steinkohlewäldern der Karbonzeit waren. Heute sind davon nur noch weltweit 24 Arten übrig geblieben. Nur im Amazonas erreicht eine Art Baumgröße von 6 Metern, die 11 in Europa vorkommenden Arten begnügen sich mit Größen von 30 cm, einem halben Meter, nur der Riesenschachtelhalm in Sümpfen kann bis zu eineinhalb Meter groß werden. "Was des Einen Freud', ist des Anderen Leid", sagt ein altes Sprichwort. Dem Landwirt ist der Schachtelhalm ein gefürchtetes Unkraut, denn die unterirdischen Sprossteile, Rhizom genannt, liegen bis zu einem Meter tief und sorgen immer wieder für ertragsmindernden Nachwuchs und obendrein vermengt mit Gras oder Heu ist er sogar leicht giftig.
In einer Zeit, in der die Kinder noch nicht mit Plastikartikeln, Fernsehen und anderem überhäuft wurden und ihr Spielzeug selbst herstellen mussten waren die verschachtelten Wedel des Schachtelhalms ein beliebtes Material für einen Nikolausbart oder einen Lendenschurz für Indianerspiele.

Schachtelhalmgewächse haben viele volkstümlichen Bezeichnungen:

Schachtelhalm
Katzenschwanz
Pferdeschwanz
wegen seiner leichten zarten Wedel
Zinnkraut
Pfannenkraut
Polierheu
Polierstroh
Reibwisch
Seuergras
wegen der Verwendung als Scheuer- und.
Poliermittel für Zinn- und Silbergeschirr u. dergl.
Duwock Diese Bezeichnung ist im nord-deutschen Sprachraum bekannt.


Schachtelhalm als Hausmittel und Heilpflanze
Äußere Verwendung der Pflanze als Teeaufguss für Wickel, Bäder, Spülungen, "innere Verwendung" als Tee oder Teemischung. Zu starke Teeaufgüsse sind jedoch krampfauslösend, daher auch die Verwendung im früheren bäuerlichen Kuhstall, wenn kein Tierarzt zur Hand war und die Nachgeburt der Kuh nicht abgehen wollte. Denselben Effekt suchten auch Kräuterweiber und Engelmacherinnen früherer Zeiten in einer lebensgefährlichen Mixtur mit Rainfarn und anderen geheim gehaltenen Kräutern zur Abtreibung.
Der Schachtelhalm und seine Botanik
Hier nur ein besonderer Hinweis auf die überaus interessante Vermehrung durch zweigeschlechtliche Sporenfäden, die nur unter ganz besondern Bedingungen fruchtbar werden können. Auch die Entwicklung der Pflanze als generativer Teil im Frühjahr mit der Bildung von Sporenkolben und folgenden vegetativen Teil der Pflanze, der meist nur Beachtung findet.
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